Apple unter Druck: iPhone 17 zeigt, was iPad und MacBook fehlt

Apple unter Druck: iPhone 17 zeigt, was iPad und MacBook fehlt

(Bildquelle: Apple und Bildbearbeitung GIGA)

Wenn selbst das Standard-iPhone längst 120 Hz hat – warum bremst Apple seine Mittelklasse bei iPad und MacBook noch aus?

Ein Kommentar von Sven Kaulfuss

Apple hat es im Herbst letzten Jahres endlich getan: Mit dem iPhone 17 bekam erstmals auch das Basismodell ein 120-Hz-Display. Vier Jahre nach Einführung von ProMotion im iPhone 13 Pro ist das ein überfälliger Schritt – und offenbar kein Fehler. Das iPhone 17 verkauft sich bestens. Genau deshalb stellt sich jetzt eine unbequeme Frage: Wenn 120 Hz im Standard-iPhone funktionieren, warum hält Apple bei iPad Air und MacBook Air immer noch an 60 Hz fest?

Apple kann schnell, wenn Apple will. Das hat das Unternehmen schon 2017 bewiesen – mit dem ersten ProMotion-Display im iPad Pro. Fast ein Jahrzehnt später tut man jedoch so, als wäre eine höhere Bildwiederholrate immer noch ein Luxusmerkmal, das nur „Pro“-Käufer verdienen. Das wirkt zunehmend aus der Zeit gefallen.

Nicht nur beim iPhone: 120 Hz merkt doch keiner? Doch. Man spürt es.

Ja, das Argument kennt man: „Der normale Nutzer sieht den Unterschied nicht.“ Mag sein, dass nicht jeder im Elektronikmarkt sofort „Ah, 120 Hz!“ ruft. Aber jeder merkt, wenn sich ein Gerät flüssiger, direkter, schneller anfühlt.

Scrollen, Wischen, Animationen – alles wirkt geschmeidiger. Es ist einer dieser typischen Apple-Effekte: Man kann ihn schwer beziffern, aber man spürt ihn sofort. Und genau darauf hat sich Apple jahrzehntelang etwas eingebildet – auf die Summe der kleinen Details.

Dass nun selbst das Einstiegs-iPhone diesen Vorteil bekommt, ist ein stilles Eingeständnis: 120 Hz sind kein Pro-Luxus mehr, sondern Stand der Technik.

Das iPad-Dilemma: Zu teuer für 60 Hz

Schauen wir aufs Tablet-Line-up: Ein iPad Air startet bei 649 Euro (11 Zoll) beziehungsweise 849 Euro (13 Zoll). Ein iPad Pro beginnt bei 1.099 beziehungsweise 1.449 Euro. Der Abstand beträgt mehrere Hundert Euro.

Hand aufs Herz: Wer 500 Euro mehr ausgibt, tut das nicht nur wegen 120 Hz. Wer ein Pro kauft, weiß meistens schon, warum – OLED, mehr Leistung, spezielle Features. Niemand sitzt da und denkt: „Ach komm, ich lege mal eben 450 Euro drauf, nur damit das Scrollen flüssiger wirkt.“

Das iPad Air ist kein Billig-Tablet. Es ist Apples Mittelklasse – und Mittelklasse darf 2026 nicht mehr nach Minimalstandard aussehen. Vor allem dann nicht, wenn Apple selbst schon vor fast zehn Jahren bewiesen hat, dass es anders geht.

Gleiches Spiel beim MacBook

Noch absurder wird es beim MacBook Air. 1.199 Euro Einstiegspreis. Das günstigste MacBook Pro? 1.899 Euro. 700 Euro Differenz!

Auch hier gilt: Niemand springt nur wegen 120 Hz in die Pro-Liga. Wer ein MacBook Pro kauft, braucht in der Regel mehr Leistung oder spezielle Anschlüsse. Aber warum fühlt sich ein Laptop für über 1.000 Euro beim Scrollen weniger geschmeidig an als viele Windows-Geräte in derselben Preisklasse? Die Branche ist längst weiter. 120 Hz sind im gehobenen Segment keine Exoten mehr. Und Apple ist eigentlich nie die Firma gewesen, die hinterherläuft.

Natürlich braucht Apple Unterschiede zwischen den Produktklassen. Upselling gehört zum Geschäft. Aber irgendwann kippt die Strategie. Wenn ein Feature fast ein Jahrzehnt alt ist, wirkt es nicht mehr exklusiv – sondern künstlich zurückgehalten. Beim Basismodell des iPad kann man 60 Hz noch akzeptieren. Gleiches gilt für das neue MacBook Neo. Das sind Einstiegsgeräte. Dort zählt der Preis.

Beim iPhone 16 kritisierten wir noch Apples Geiz, mit dem iPhone 17 wurde dann nachgebessert:

» Video ansehen: Das iPhone 16 ist das beste Beispiel für Apples Arroganz

Doch iPad Air und MacBook Air sind keine Einstiegsprodukte mehr. Sie sind die Geräte für die breite Masse – für Studenten, Kreative, Familien. Genau dort sollte ein rundes Nutzungserlebnis selbstverständlich sein.

Und wenn Apple schon weiter differenzieren will? Dann bitte über neue und teure Displaytechnologien oder weitere Features. Aber nicht über eine Basisfunktion, die 2026 einfach Standard sein sollte.

Unterm Strich: Schluss mit 60 Hz in Apples Mittelklasse

60 Hz wirken inzwischen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit – besonders bei Geräten jenseits der 600- oder 1.000-Euro-Marke. Und das passt nicht zu einem Unternehmen, das sich so gern über Details definiert.

Das iPhone 17 hat es vorgemacht. Jetzt ist der Rest der Produktpalette dran.